Atemgymnastik
"Die meisten Menschen atmen
falsch". Das ist natürlich völliger Quatsch. Die Atmung
hat die Aufgabe, unseren Körper mit Sauerstoff zu versorgen und
wird entsprechend direkt vom Gehirn gesteuert. Sie ist ein Reflex
und funktioniert normalerweise ohne unser Zutun.
Richtig ist jedoch, daß sich die Atmung
mit dem Willen beeinflußen läßt. Die Atemmuskulatur, d.h. das
Zwerchfell und die Muskeln zwischen den Rippen lassen sich, genau
wie jeder andere Muskel, durch gezielte Übungen trainieren.
Dadurch kann das Volumen des Brustkorbes und damit der Lunge
vergrößert werden, es kann tiefer und mehr eingeatmet werden.
Von einem solchen Training können vor
allem solche Menschen profitieren, die aus irgendeinem Grund,
z.B. durch eine Operation oder Bestrahlung, einen Teil ihrer
Lungenfunktion eingebüßt haben. Atemgymnastische Übungen
helfen hier, die ursprüngliche Leistungsfähigkeit, oder
zumindest einen Teil davon, wiederherzustellen.
Die folgende Anleitung stammt aus der
Ruhrlandklinik, Fachlinik für Lungenerkrankungen und
Thoraxchirurgie, Tüschener Weg 40, 45239 Essen und ist für
solche Patienten gedacht, die eine Lungenoperation hinter sich
haben.
Ziel der Übungen ist ein Training des
Zwerchfells, eine Dehnung der Brustwand und, soweit vorhanden,
der Narbe, um das Atemvolumen zu vergrößern. Ein wirksames
Training des Zwerchfells erreicht man nur durch Atmen in den
Bauch !!! Bei den Übungen im Liegen sollte man eine relativ
feste Unterlage benutzen, z.B. eine Gymnastikmatte, eine harte
Matraze ist auch geeignet.
Zunächst sollen einige Begriffe erklärt
werden, die vielleicht nicht ganz klar sind:
- Dreimal einschnupfen: dreimal
hintereinander rasch, aber nicht gewaltsam einatmen, ohne
dabei zwischendurch auszuatmen.
- Lippenbremse: langsam gegen
den Widerstand der fast geschlossenen Lippen ausatmen
Übungen in der Seitenlage:
Die Grundausgangsstellung ist: Auf die
nicht operierte Seite legen, das untere Bein ist gestreckt und
bildet eine gerade Linie mit dem Körper. Das obere Bein ist
angebeugt, der Fuß liegt hinter dem unteren Bein, das Knie auf
der Unterlage. Der Kopf liegt auf dem unteren Arm auf.
Wer möchte, kann diese Übungen natürlich
auch auf beiden Seiten ausführen.
- Den Arm der operierten Seite mit dem
Unterarm vor dem Körper auflegen. Eine andere
Alternative ist, die Handfläche mit angewinkeltem
Unterarm in Schulterhöhe aufzusetzen. Dreimal
einschnupfen, langsam (mit Lippenbremse) wieder ausatmen.
- Den gestreckten Arm der operierten
Seite nach schräg, oben, vorne strecken (diagonal), die
Handfläche liegt auf dem Boden. Dreimal einschnupfen,
dabei den Arm noch weiter vom Körper wegstrecken (Die
Handfläche bleibt auf dem Boden). Beim Ausatmen wieder
locker lassen.
- Der Arm der operierten Seite wird
über den Kopf gestreckt. Dreimal einschnupfen, dabei den
Arm noch weiter herausschieben. Beim Ausatmen wieder
locker lassen.
- Den gestreckten Arm der operierten
Seite zum Aufdehnen des Brustkorbes nach schräg, oben,
hinten führen. Dreimal einschnupfen, dabei weiter
aufdehnen. Beim Ausatmen den Arm wieder ein wenig zurück
nehmen.
- Die Hand der operierten Seite in den
Nacken nehmen. Dreimal einschnupfen, dabei den Arm so
weit wie möglich nach hinten dehnen. Beim Ausatmen
wieder in die Ausgangsposition zurück.
Übungen in der Rückenlage:
Die Grundausgangsstellung ist: Rückenlage,
die Beine sind angestellt, die Hände liegen auf dem Bauch.
- Ein- und ausatmen, dabei die Bewegung
des Bauches wahrnehmen.
- Beide Beine gestreckt zu einer Seite
legen (Halbmond-Stellung), die Hände bleiben auf dem
Bauch liegen. Dreimal einschnupfen, langsam ausatmen
(Lippenbremse). Evtl. etwas Schwereres, z.B. Kissen oder
Ball (nein - kein Medizinball) auf den Bauch legen und
hoch schnupfen. Diese Übung wird zu jeder Seite
ausgeführt.
- Wie Übung Nr. 2, nur liegen die
Hände nicht auf dem Bauch, sondern, wenn die Beine nach
rechts gedehnt liegen, nimmt man die linke Hand hinter
den Kopf, um die Seite noch weiter aufzudehmen. Liegen
die Beine nach links, muß dementsprechend die rechte
Hand hinter den Kopf gelegt werden. Dreimal einschnupfen,
beim Ausatmen langsam die Luft entweichen lassen.
- Beide Beine aufstellen, dreimal
einschnupfen, dabei beide Beine nach rechts kippen
lassen, beim Ausatmen wieder zur Mitte zurück, dreimal
einschnupfen, dabei beide Beine nach links kippen lassen,
immer abwechselnd.
Übungen auf dem Hocker:
Die Grundausgangsstellung ist: Gerade auf
dem Hocker sitzend, die Beine sind leicht gespreizt, die Füße
stehen fest auf dem Boden, die Arme hängen locker herunter.
- Beim Einatmen die Arme gestreckt nach
oben anheben, beim Ausatmen fallen die Arme wieder locker
nach unten, auspendeln lassen.
- Dreimal einschnupfen, dabei die Arme
nach oben anheben, beim Ausatmen fallen die Arme wieder
locker nach unten, auspendeln lassen.
- Einatmen, beide Arme nach oben
strecken, beim Ausatmen fallen beide Arme zu einer Seite
herunter, locker auspendeln lassen, das Ganze abwechselnd
nach rechts und nach links.
- Die Hände im Nacken verschränken,
einatmen, dabei die Ellenbogen soweit wie möglich nach
hinten drücken, beim Ausatmen kommen die Ellenbogen
wieder nach vorne.
- Kutschersitz: Die Beine sind leicht
gespreizt, die Füße stehen ganz auf dem Boden, der
Oberkörper ist leicht vorneüber gebeugt, mit den
Unterarmen auf den Oberschenkeln abstützen. Einatmen
durch die Nase, langsam die Luft zwischen den Lippen
entweichen lassen (Lippenbremse).
- Kutschersitz, einatmen, den
gestreckten rechten Arm seitlich nach oben nehmen, dabei
in die Handinnenfläche schauen. Ausatmen, wieder in den
Kutschersitz zurück. Das gleiche mit dem linken Arm.
- Kutschersitz, dreimal einschnupfen,
dabei den gestreckten rechten Arm seitlich nach oben
nehmen, dabei in die Handinnenfläche schauen. Ausatmen,
wieder in den Kutschersitz zurück. Das gleiche mit dem
linken Arm.
Viel Spaß !
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