14. Begleitende Unterstützung

Die Diagnose Krebs ist für viele ein solcher Schock, eine so grundsätzliche Infragestellung des bisherigen Lebensgefühls und der bisherigen Lebensführung, daß dies neben den körperlichen Leiden und Beschwerden eine zusätzliche psychische Belastung bedeutet und massive Probleme verschiedenster Art aufwirft.

Die Ärzte bieten Unterstützung im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die durch ihre Arbeitsüberlastung aber begrenzt ist. Zudem sind sie nicht mit allen Aspekten, z.B. organisatorischer Art vertraut, die die neue Situation aufwirft. Hier können die Sozialdienste der Krankenhäuser zu Rate gezogen werden. Doch auch das reicht nicht immer, um den Betroffenen den nötigen Halt zu geben. Noch dazu werden im Zuge der allgemeinen Einsparungen städtische Anlauf- und Beratungsstellen zunehmend geschlossen.

Um weitere Hilfe und Unterstützung zu bekommen, gibt es zwei Möglichkeiten:

Selbsthilfegruppe

In vielen Städten haben sich aus privater Initiative Selbsthilfegruppen gebildet. Sie bestimmen die Thematik, ihre Organisationsstruktur und alles weitere selbst. Meist treffen sie sich in zweiwöchtentlichem oder monatlichem Turnus. In Selbsthilfegruppen finden sich Menschen zusammen, die ein gemeinsames Problem in den Griff zu kriegen versuchen. Bei Krebsselbsthilfegruppen reicht das Spektrum von der Lösung einfacher pragmatischer Probleme bis hin zur Besprechung von grundsätzlichen Lebensfragen.

Selbsthilfegruppen sollen die Möglichkeit bieten, über seelische Nöte und persönliche Schwierigkeiten zu reden. Gegen die Angst, die die Krankheit mit sich bringt, hilft das Gespräch mit anderen Menschen. Am einfachsten ist dies mit anderen Betroffenen, die den Schmerz und das Leid kennen, und ohne Scheu darüber reden können. Die Möglichkeit, Ängste und persönliche Fragen zu äußern, ohne befürchten zu müssen, andere damit zu belasten, wird meist als sehr positiv und entlastend erlebt. Darüberhinaus haben solche Gruppen die Funktion, Neuerkrankte aufzunehmen, zu beraten und zu unterstützen.

Das Raumproblem läßt sich in größeren Städten wohl meist auf halb institutionalisierter Ebene (Bürgerzentren) lösen. An kleineren Orten muß man eventuell auf Vereins- oder private Räume zurückgreifen.

Psychotherapie

Nach wie vor gehen die Meinungen darüber auseinander, welche Rolle für das Entstehen von Krebs psychischen Komponenten zugeschrieben werden kann. Es ist aber außer Zweifel, daß die Gesundung auch mitgetragen wird von Lebensmut und -zuversicht. Nun geht aber gerade diese Zuversicht angesichts des tödlichen Schreckens, den die Krankheit auslöst, oft erst einmal verloren.

Begriffen wie Depression haftet für manche noch immer ein Stigma an, so daß sie sich schämen, an Hilfe in dieser Hinsicht auch nur zu denken. Und das, obwohl das ganze Grundgerüst des Lebens durcheinandergewirbelt ist. Mit einem kranken Körper geht man zum Arzt. Warum sollte man einer erschütterten, verunsicherten Seele nicht auch professionelle Hilfe gönnen? Selbst die Krankenkassen erkennen diese Notwendigkeit an. Es empfiehlt sich, vorher Erkundigungen bei der eigenen Krankenkasse einzuziehen, aber generell hat man die Möglichkeit nach einer geeigneten Psychotherapeutin, einem geeigneten Psychotherapeuten zu suchen. Das heißt, man kann mehrere Gespräche mit verschiedenen Therapeuten führen, bevor man sich entscheidet. Die Kosten der Therapie, in der Regel bis zu 50/80 Stunden oder auf Antrag auch länger, werden von den Kassen übernommen.


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