Birgitta Meister
Nach der Theorie von Schwann und Schleiden aus dem Jahr 1839 ist die Zelle die kleinste Baueinheit des lebenden Organismus, d.h. alle Lebewesen sind aus Zellen aufgebaut.
Was ist überhaupt Leben? Was ist ein Lebewesen? Hier die Antwort, die uns die Wissenschaft darauf gibt:
Lebewesen sind von der Umwelt abgegrenzte Individuen, die sich durch folgende Eigenschaften auszeichnen:
Bei primitiven ein- und mehrzelligen Lebewesen beherrschen alle Zellen sämtliche Lebensfunktionen in gleicher Weise. In einem komplex aufgebauten Organismus wie dem Menschen sind Zellen für die verschiedensten Aufgaben spezialisiert.
Zellen, egal von welchem Lebewesen oder Gewebe sie stammen, sind sich ziemlich ähnlich.
Sie bestehen aus dem Zellkern und dem Zelleib (Zytoplasma von griech. kytos = Zelle und griech. plasma = Gebilde), die äußere Begrenzung bildet die Zellmembran. Im Zytoplasma befinden sich die Zellorganellen, das sind die "Organe" der Zelle für die verschiedenen Funktionen und Stoffwechselvorgänge.
Die Zellmembran bildet sowohl die Begrenzung die Zelle nach außen als auch die der Zellorganellen innerhalb der Zelle. Sie wird von der sog. Einheitsmembran gebildet, die aus einer inneren und äußeren Eiweißschicht und einer dazwischenliegenden Schicht fettähnlicher Stoffe (Lipoide) besteht.
Die Zellmembran ist jedoch mehr als eine Grenzschicht. Sie ist ein tätiges Organ der Zelle, das einerseits die für die Zellfunktionen wichtigen Rohstoffe aussucht und in die Zelle hineinbringt, und andererseits die Produkte der Zelle, wie z.B. Eiweiße, Enzyme, Hormone und Antikörper an die Umgebung abgibt. Über Rezeptoren, "Reizempfänger" in der Zellmembran, erhält die Zelle Informationen, die ihre Aktivität beeinflussen, z.B. ob die Zelle einer Drüse Sekret absondern soll. Auch die Oberflächenantigene, z.B. die HLA-Merkmale oder die CD-Antigene, haben ihren Sitz in der Zellmembran.
Das Zytoplasma ist die Grundsubstanz der Zelle. Es besteht zu etwa 75% aus Wasser, die restlichen 25% bestehen aus Eiweißen Fetten, Kohlehydraten, Nukleinsäuren und Salzen. Die Eiweiße binden Wasser und geben ihm eine flüssige bis gelartige Konsistenz.
Unter dem Lichtmikroskop sieht das Zellplasma meist gleichförmig oder einfach strukturiert aus. Erst mit der starken Vergrößerung eines Elektronenmikroskops werden eine Reihe makromolekularer, hochspezialisierter Strukturen erkennbar, die Zellorganellen. Die wichtigsten heißen: Ribosomen, endoplasmatisches Retikulum, Zentralkörperchen, Golgi-Komplex, Mitochondrien, Lysosomen, Liposomen.
Die Ribosomen sind kugelförmige Strukturen, die aus Ribonukleinsäure (RNS) und Eiweiß bestehen. Sie können einzeln vorkommen, er können aber auch mehrere durch einen RNS-Strang zu einem sog. Polysom verbunden sein. Sie sind die Orte der Eiweißbildung, die im Abschnitt "Dechiffrierung" weiter unten ausführlich erläutert wird.
Das endoplasmatische Retikulum (ER) ist ein vielfach verzweigtes System von Kanälen, das netzartig (lat. rete = Netz) das Zytoplasma durchzieht. Es wird von der Einheitsmembran gebildet, und ist sowohl mit der Zellmembran als auch mit der Kernmembran verbunden. Man unterscheidet dabei mehr platte Hohlräume, die Zisternen und mehr kugelförmige Hohlräume, die Vesikel.
Ein Teil der endoplasmatischen Retikulums ist von Ribosomen bedeckt und heißt rauhes ER oder Ergastoplasma. Hier findet die Bildung von Eiweißstoffen statt. Der übrige Teil wird glattes ER genannt und enthält Enzyme, die für die Bildung von Steroidhormonen und Fetten verantwortlich sind.
Das ER erfüllt verschiedene Aufgaben:
Das Zentralkörperchen, auch Centrosom oder Centriol genannt, befindet sich oft in der Nähe des Zellkerns und besteht aus einem Ring kleiner röhrchenförmiger Strukturen (Mikrotubuli). Es ist bei der Zellteilung für die Bildung des Spindelapparates verantwortlich. Dies wird im Abschnitt "Wachset und mehret euch..." genauer erläutert.
Der Golgi-Komplex besteht aus mehreren konvex-konkav zusammengefalteten Zisternenstapeln (sog. Dictyosomen), die z.T. zu Vesikeln erweitert sind. Er steht in einem ständigen Austausch mit dem endoplasmatischen Retikulum und anderen Zellorganellen: Auf der konvexen Seite des Golgi-Komplexes werden Vesikel aus dem ER aufgenommen, auf der konkaven Seite werden Vesikel abgegeben, die dann mit anderen Zellorganellen oder der Zellmembran verschmelzen können.
Der Golgi-Komplex gilt als Zellorganelle der Sekretproduktion und stellt ein Depot für die Regeneration der Zellmembran dar.
Die Mitochondrien sind längliche Gebilde, die von einer Doppelmembran umgeben sind. Die innere Membran ist zur Vergrößerung der Oberfläche kammähnlich (Crista-Typ) oder röhrenförmig (Tubulus-Typ) gefaltet.
Sie enthalten die Enzyme der Zellatmung und dienen der Energiegewinnung. Dabei fallen zugleich Rohstoffe für andere Biosynthesen an. Die frei werdende Energie wird zur Bildung des Energielieferanten ATP (Adenosin-tri-phosphat) aus ADP (Adenosin-di-phosphat) verwendet. Dort, wo Energie gebraucht wird, entsteht aus ATP unter Abgabe von Energie wieder ADP, welches in den Mitochondrien wieder zu ATP aufgeladen wird.
Die Mitochondrien heißen daher auch "Kraftwerke der Zelle". Sie sind in stark wechselnder Zahl und Größe im Zytoplasma zu finden. Sie enthalten eigene ringförmige DNS und besitzen einen eigenen Teilungszyklus. Dadurch sind sie in der Lage, sich den Belastungen der Zelle rasch anzupassen. Je größer die Aktivität einer Zelle ist, um so zahlreicher sind die Mitochondrien.
Die Lysosomen enthalten Enzyme, die in der Lage sind, sehr große Moleküle abzubauen. Sie spielen eine Rolle bei der "Abfallbeseitigung", d.h. beim Abbau von Substanzen, die von der Zelle durch Pinocytose oder Phagocytose aufgenommen wurden oder beim Abbau von eigenem Zellmaterial.
Die Liposomen sind frei im Zytoplasma schwimmende Partikel aus Fetten oder fettähnlichen Substanzen.
Die Befehlszentrale für alle Lebensvorgänge der Zelle befindet sich im Zellkern. Er ist oft kugelförmig, kann aber auch von anderer Gestalt sein. Er ist von einer Doppelmembran (Karyolemm) umgeben, die mit dem endoplasmatischen Retikulum in Verbindung steht. Die Kernmembran weist Poren auf, die einen Austausch zwischen dem Zytoplasma und Kerninhalt (Karyoplasma, von griech. karyon = Kern) ermöglichen. Das Kernplasma besteht aus dem Kernsaft (Karyolymphe) und dem Chromatin, das sich gut färben läßt (von griech. chroma = Farbe). Es besteht aus der Erbsubstanz Desoxyribonukleinsäure (DNS) und sieht unter dem Lichtmikroskop netzartig strukturiert aus.
Zusätzlich enthält der Zellkern noch ein oder mehrere Kernkörperchen. Das sind "kleine Kerne im Kern", auch Nukleolen genannt, die aus DNS und Eiweiß bestehen. Sie werden als Hauptentstehungsort der Ribonukleinsäure (RNS) angesehen und spielen eine wichtige Rolle bei der Zellteilung.
Der Zellkern steuert also alle in der Zelle ablaufenden Lebensvorgänge:
In einem wachsenden, sich entwickelnden Organismus müssen immer mehr und mehr Zellen gebildet werden. Auch ein erwachsener Organismus ist kein statisches Gebilde. Ständig gehen Zellen zugrunde und müssen durch neue ersetzt werden. Sie sind also in der Lage, sich zu vermehren.
Dies geschieht
durch Zellteilung oder Mitose: Aus dem Chromatin
des Zellkerns entstehen bei der Zellteilung die Chromosomen, auch
Kernschleifen genannt. DNS bildet den Achsenfaden, der von einer
Eiweißhülle (Matrix) umgeben wird. Etwa in der Mitte befindet
sich die primäre Einschnürung, auch Centromer oder Kinetochor
genannt. Sie teilt das Chromosom in die beiden
Chromosomenschenkel und ist der Ansatzpunkt für die
Spindelfaser, welche bei der Zellteilung die Chromosomen
auseinander zieht. Die Chromosomenschenkel können weitere
(sekundäre) Einschnürungen aufweisen, die sog.
Satellitenchromosome bilden.
Während der Zellteilung teilt sich der Achsenfaden in zwei Längshälften, die Chromatiden genannt werden.
Der Mensch besitzt 46 Chromosomen: 22 Paare gleicher Chromosomen (homologe Chromosomen, Autosomen) und die beiden Geschlechtschromosomen (heterologe Chromosomen, Gonosomen), die bei Frauen gleich sind und XX heißen, bei Männern jedoch verschieden sind und XY heißen.
Bei der Zellteilung wird die Erbinformation der Mutterzelle identisch verdoppelt und je ein vollständiger Chromosomensatz gleichmäßig auf die Tochterzellen verteilt. Man kann grob 3 Stufen definieren:
Wenn man sich teilende Zellen unter dem Mikroskop betrachtet, verläuft die Mitose in 4 Phasen:
Prophase |
Metaphase |
Anaphase |
Telophase |
Interphase |
Zellen reifen, teilen sich, reifen, teilen
sich, reifen, teilen sich, ..., solange, bis sie zugrunde gehen.
Die immer wiederkehrende Abfolge von Zellreifung u. -teilung
bezeichnet man als Zellzyklus. Er setzt sich aus
verschiedenen Phasen zusammen: 
Nach Abschluß der Mitose (M-Phase) treten die Zellen entweder in erneut in die G1-Phase ein oder bleiben in der G0-Phase ohne weitere Teilung.
Die Dauer eines Zellzyklus wird als Generationszeit bezeichnet.
Als mitotischen Index oder Zellteilungsindex bezeichnet man die Zahl der Zellen einer Zellgruppe, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Teilung befinden. Der normale Teilungsindex der meisten Körpergewebe ist heute bekannt: weicht ein Gewebe stark davon ab, kann das ein Hinweis auf tumorartige Veränderungen sein.
Für best. Formen der Tumortherapie ist die Synchronisation der Zellzyklen (insbes. der Tumorzellen) von Bedeutung.
Die DNS ist der Träger der Erbinformation. Aber wie wird diese Information gelesen?
Dies geschieht
bei Proteinbiosynthese, dem Aufbau der körpereigenen
Eiweiße. Sie sind die Genprodukte, die "Übersetzung"
der Erbinformation in Eiweißstrukturen. Der genetische Code
steckt in den Basen (siehe Nukleinsäuren), die sich nur in der
Kombination Adenin und Thymin/Uracil oder Cytosin und Guanin
paaren können.
Man kann diesen Prozeß in 4 Schritte einteilen:
Normalerweise liegt das DNS-Molekül als verdrillter und spiralisierter Doppelstrang vor. Wenn für Genprodukte informationen aus der DNS benötigt werden oder die DNS bei der Zellteilung komplett kopiert wird, muß diese
werden.
An diesem Prozeß sind verschiedene Enzyme beteiligt:
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