Jutka Wübben, Birgitta Meister
| Jahr | Medikament | Entdeckung und Anwendung |
| 1865 |
Kalium-Arsenit |
Über den
günstigen Einfuß einer Arsentherapie auf zwei Kranke
mit Leukämien wurde erstmalig 1865 von Lissauer
berichtet. Dieser, wenn auch geringe therapeutische
Fortschritt geriet aufgrund der ersten Erfolge der
Strahlentherapie wieder in Vergessenheit, bis Forkner
1931 auf die Wirkung von Kalium-Arsenit bei chronisch
myeloischer Leukämie hinweis. |
| 1892 |
Coleys
Toxine |
Fast ein
Vierteljahrhundert nach Lissauer, im Jahre 1892
berichtete Coley über die günstige Wirkung von
Erysipeltoxinen (Bakteriengifte) auf verschiedene
bösartige Tumoren. |
| 1939 |
Testosteron |
Als erste
wirksamere und auch noch heute angewandte
antineoplastische Therapie ist 1939 die Hormontherapie in
die Klinik eingeführt worden, nach Ulrich
erstmalig die günstige Wirkung von Testosteron bei Mammakarzinomen
festgestellt hatte. |
| Östrogene |
Huggins
und Mitarbeiter arbeiteten das grundlegende Konzept der
auch jetzt beim Prostatakarzinom noch im
Vordergrund stehenden Östrogentherapie aus. |
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| 1946 |
Stickstofflost |
Das
Fundament für die heutige zytostatische Therapie wurde
nach dem 2. Weltkrieg mit der Einführung von
Stickstoff-Lost in die Klinik gelegt, nachdem ein
zytostatischer Effekt der Substanz auf das
transplantierte Lymphosarkom der Maus festgestellt worden
war. Die Substanz Lost erlangte bereits im ersten Weltkrieg unter der Bezeichnung Senfgas traurige Berühmtheit. Bei den Soldaten, die nach einem Gasangriff gefallen waren, wurden neben massiven Haut- und Schleimhautreizungen auch schwere Schädigungen des Knochenmarks und anderer teilungsaktiver Gewebe festgestellt. Für die Therapie war Lost allerdings viel zu giftig. Auch mit der Weiterentwicklung Stickstoff-Lost ließ sich Krebs nicht erfolgreich behandeln, da diese Verbindung im klinischen Versuch seht toxisch war. Trotzdem wurden die Arbeiten von drei Forschergruppen fortgesetzt und fanden nach dem Krieg (1946) in den ersten therapeutischen Berichten von Goodman, Rhoads und Jakobson mit ihren Mitarbeitern ihren ersten Niederschlag. Angewandt wurde die Substanz bei Lymphomen
und soliden Tumoren. |
| 1947 -
1950 |
Folsäureantagonisten |
Die
Wirkung von Folsäureantagonisten studierten erstmalig
1947 Franklin und Mitarbeiter. Sie fanden bereits
nach Verabreichung von a -Methylpteroylglutaminsäure
eine Leukopenie, im Gegensatz dazu aber eine
Verschlechterung von Leukämien in der Klinik. Erst 1950 wurde von dem gleichen Team das
Studium der Folsäureantagonisten fortgesetzt, nachdem
bereits 1948 der Wert des Aminopterins bei Leukämien von
Faber erkannt worden war. Dies führte zur
Herstellung weiterer Verbindungen, vor allem zu
Amethopterin (Methotrexat), das in der Therapie der akuten
Leukämien und soliden Tumoren nach wie vor
unersetzlich ist. |
| Nebennierenrindenhormone |
Gegen
Ende der vierziger Jahre wurde auch der günstige
Einfluß der Nebennierenrindenhormone, besonders des
Kortisons, auf Leukämien, Lymphome und das
multiple Myelom entdeckt. |
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| 1950 -
1955 |
6 -
Mercaptopurin |
Nach der
Einführung der Folsäureantagonisten erschien 1950 der
erste Bericht über eine weitere Gruppe von
Antmetaboliten, die Purinantagonisten, dem zwei Jahre
später die Synthese des 6-Mercaptopurin folgte, das nach
wie vor zur Behandlung akuter Leukämien verwendet
wird. |
| Busulfan |
Durch
Haddow wurde 1953 das einem neuen alkylierenden Prinzip
entsprechende Busulfan in die Klinik eingeführt, das vor
allem bei chronisch myeloischen Leukämien wirkt. |
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| Tepa, Thiotepa, Chlorambucil |
Weitere
Alkylantien folgten in den nächsten beiden Jahren. Sie
wurden vor allem bei Leukämien und Lymphomen
eingesetzt. |
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| Actinomycin
D |
Die
Verbindung wird aus dem Pilz Streptomyces parvulus
gewonnen und wurde bereits 1940 entdeckt. 1954 wurde sie
als erstes zytostatisch wirksames Antibiotikum von Farber
in die Klinik eingeführt und vor allem bei kindlichen
Tumoren wie dem Wilms Tumor, dem Ewing-Sarkom,
bei Hodentumoren und dem Chorionkarzinom
eingesetzt. |
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| 1955 -
1960 |
5 -
Fluorouracil |
Als
erster Vertreter der Pyrimidinantagonisten wurde 5-FU im
Jahre 1957 von Heidelberger entwickelt. Es wird
bei Karzinomen der Brust und des
Gastrointestinaltraktes eingesetzt. |
| Gestagene |
Ein
weiterer Schritt in der Hormontherapie war die Behandlung
des Endometriumkarzinoms mit Progesteron. |
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| Cyclophosphamid |
Das
Cyclophosphamid wurde 1958 von Arnold, Bourseaux
und Brock, ausgehend vom Stickstofflost,
entwickelt und in die Therapie eingeführt. Es ist eines
der ersten Zytostatika, das nicht unmittelbar wirksam
ist, sondern erst im Körper in seine wirksame Form
umgewandelt wird. Es findet breite Anwendung bei Leukämien,
Lymphomen und soliden Tumoren. |
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| Vincaalkaloide |
Die
Alkaloide aus dem Madagskar Immergrün Vinca rosea wurden
1958 von Noble, Beer und Cutts
erstmals isoliert und untersucht. Sie werden bei Lymphomen,
akuten Leukämien, bösartigen Erkrankungen des
retikuloendothelialen Systems im Kindesalter und Chorionkarzinomen
eingesetzt. |
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| Cytosin-Arabinosid |
Cytarabin
ist ein künstlicher DNS-Baustein. Es wurde 1950 erstmals
synthetisiert und Anfang der 60er Jahre in die Klinik
eingeführt, wo es bei akuten Leukämien und malignen
Lymphomen angewendet wird. |
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| 1960 -
1965 |
Procarbazin |
Procarbazin
wurde Anfang der 60er Jahre bei Hoffman-La Roche
entwickelt und zur Behandlung des Morbus Hodgkin
eingesetzt. |
| Hydroxyharnstoff |
Hydroxyharnstoff
wurde bereits 1869 synthetisiert. Seine zytostatische
Wirkung wurde jedoch erst Anfang der 60er Jahre erkannt,
und zwar bei der chronisch myeloischen Leukämie. |
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| Daunorubicin |
Im Jahre
1963 wurde Daunomycin von einer italienischen
Arbeitsgruppe unter der Bezeichnung
"daunomicina" und von einer französischen
Arbeitsgruppe unter der Bezeichnung
"rubidomycine" beschrieben. Aus beiden Namen
entstand der Name Daunorubicin. Mit dem ersten Medikament
aus der Gruppe der Antrazykline wurden vor allem akute
Leukämien behandelt. |
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| 1965 -
1970 |
L-Asparaginase |
Asparaginase
ist das erste und bislang einzige Enzym, das eine direkte
zytostatische Wirkung hat. Es ist wirksam bei akuten
Leukämien. |
| Nitrosoharnstoffe |
Diese
Stoffgruppe hat Ähnlichkeit mit den
Stickstofflost-Derivaten. Streptozocin ist ein
natürlicher, von Pilz Streptomyces achromogenes
gebildeter Nitrosoharnstoff. Er kam als erster Wirkstoff
1967 in die klinische Prüfung und wurde bei
Inselzelltumoren des Pankreas eingesetzt. Heute werden
Nitrosoharnstoffe bei Lymphomen, Hirntumoren
und soliden Tumoren eingesetzt. |
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| Bleomycin |
Bereits
1956 wurden die Antibiotika Phleomycin und Kanamycin
entdeckt, die eine tumorhemmende Wirkung zeigten, jedoch
zu giftig waren. Auf der Suche nach einer weniger
toxischen Substanz wurde 1959 von Umezawa das
Bleomycin entdeckt. Die Ergebnisse der ersten klinischen
Studien über die Behandlung des Plattenepithelkarzinoms
wurde 1967 von Ichikawa veröffentlicht. Bleomycin
wird bei Lymphomen sowie Kopf- und Halstumoren
eingesetzt. |
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| Aminoglutethimid
|
Als
erster Wirkstoff aus der Gruppe der Aromatasehemmer wurde
Aminogluthethimid im Jahre 1967 bei Frauen mit
fortgeschrittenem Mammakarzinom eingesetzt. |
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| Dacarbazin
(DTIC®) |
Dacarbazin
entstand als Zufallsprodukt und wurde zuerst zur
Behandlung von Melanomen eingesetzt, später auch
bei malignen Lymphomen und Weichteilsarkomen. |
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| Cisplatin |
1969
konnte Rosenberg den Nachweis einer
tumorwachstumshemmenden Wirkung der
Schwermetallkomplexverbindung Cisplatin erbringen. Es
wird vor allem bei Hoden- und Ovarialtumoren, aber
auch bei malignen Lymphomen eingesetzt. |
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| 1970 -
1990 |
Antiöstrogene |
Das
Antiöstrogen Tamoxifen wurde 1962 von Walpole als
Mittel zur Empfängnisverhütung entworfen, erwies sich
hier jedoch als Fehlschlag. 1973 wurde es zum erstenmal
für die Behandlung des Mammakarzinoms zugelassen.
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| Podophylllotoxine |
Schon
1832 wurde aus den Wurzeln der in Nordamerika heimischen
Pflanze Podophyllum peltatum ein Brechmittel hergestellt
und später seine Wirksamkeit bei Warzen ausgenutzt. Aus
halbsynthetischen Derivaten des Pflanzenwirkstoffs
Podophyllotoxin wurden 1971 die Substanzen Etoposid
(VP-16) und Teniposid (VM-26) entwickelt und intensiv
klinisch genutzt, besonders bei der Therapie maligner
Lymphome. |
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| 1990 -
1995 |
Taxane |
Bereits
in den 60er Jahren erkannte man die zytotoxische
Aktivität von Extrakten aus der Rinde der pazifischen
Eibe. Die Wirkstoffe Paclitaxel (Taxol®) und
Docetaxel (Taxotere®) können jedoch erst
seit kurzen halbsynthetisch hergestellt werden und sind
seit 1994 zur Behandlung bestimmter solider Tumoren
zugelassen. |
| Irinotecan,
Topotecan |
Die
Muttersubstanz dieser neuen Zytostatika ist das bereits
seit den 60er Jahren bekannte Camptothecin, ein Alkaloid
aus dem asiatischen Baum Camptotheca acuminata, das
jedoch für die klinische Anwendung zu giftig ist. Auch
die daraus abgeleiteten Substanzen haben noch erhabliche
Nebenwirkungen. Sie werden bei soliden und
hämatologischen Tumoren eingesetzt, wenn erprobte
Medikamente versagen. |
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| Seit 1995 |
Zytokine
(Immuntherapie) |
Schon
1905 erkannte Paul Ehrlich die Bedeutung der Immunabwehr
im Rahmen der Behandlung bösartiger Krankheiten. Trotz
intensiver Bemühungen seitens der Immunforschung sind
die Erfolgsquoten jedoch nicht zufriedenstellend. Die
Immuntherapie ist eine experimentelle Therapie und bleibt
daher Problemfällen, d.h. chemo- und
strahlentherapieresistenten Tumorfällen mit ausgedehnter
Metastasierung vorbehalten. |
| Antikörper
(Immuntherapie) |
1995
wurde mit Panorex® der erste monoklonale
Antikörper gegen Zellen des kolorektalen Karzinoms
zugelassen. Weitere Antikörper befinden sich in der
Entwicklung und klinischen Erprobung. Der monoklonale Antikörper Rituximab gegen niedrigmaligne
NHL wird in Deutschland voraussichtlich Mitte 1998
zugelassen. |
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