Birgitta Meister
Ob ein Medikament lange oder kurz wirkt, ob der Wirkeintritt mit einer gewünschten Verzögerung erfolgt, ob der ganze Wirkstoff auf einmal oder nur portionsweise zu Verfügung steht, darüber entscheidet u.a. die Darreichungsform, in der Fachsprache Galenik genannt. Sie ist eine Art Verpackung für die Wirksubstanz und kann aus verschiedenen Trägersubstanzen bestehen, in die der Wirkstoff eingemischt wird. Sie kann aber auch eine spezielle Hülle sein, die den Wirkstoff einschließt. Ein Medikament bietet also durch seine Darreichungsform mehr als nur den Wirkstoff.
Häufig ist ein Arzneimittel in verschiedenen Formen erhältlich. Da gibt es zum Beispiel Schmerzmittel mit ein und dem selben Wirkstoff zum Schlucken, zum Kauen oder zum Auflösen. Oder auch Heuschnupfenmittel als Tropfen, als Tablette oder als Spray. Welche Form wann und bei wem am besten angebracht ist, entscheidet in der Regel der Arzt,; auch in Apotheke kann man sich diesbezüglich beraten lassen.
Eine Behandlung mit Medikamenten kann lokal oder systemisch erfolgen. Lokal bedeutet, daß das Medikament nur dorthin gebracht wird, wo es wirken soll und nicht oder kaum in den übrigen Organismus gelangt. Hierzu gehören
Bei der systemischen Behandlung verteilt sich das Medikament im ganzen Körper und entfaltet überall seine Wirkung.
Für die Chemotherapie selbst kommen nur wenige der oben aufgeführten Darreichungsformen in Betracht, wohl jedoch bei begleitenden Behandlungen wie z.B. einer Therapie gegen Übelkeit und Erbrechen, der Vorbeugung von Pilzinfektionen oder einer Schmerzbehandlung.
Es gibt lokale Formen der Chemotherapie, diese sind jedoch ganz speziellen Krankheitsbildern vorbehalten. In der Regel wird die Chemotherapie systemisch durchgeführt. Dabei kann die Verabreichung der Medikamente (Applikation) oral oder parenteral erfolgen.
Kapseln und Tabletten
Oral bedeutet: durch den Mund, also in Form von Tabletten oder Kapseln. Diese Form der Therapie hat den Vorteil, daß man für die Verabreichung der Medikamente nicht auf fremde Hilfe angewiesen ist, kein Krankenhaus und keine Arztpraxis aufsuchen muß, sich seine Zeit ziemlich frei einteilen kann. Dabei kann es natürlich auch mal passieren, daß man die Einnahme einfach vergißt oder nicht mehr genau weiß, ob man seine Medikamente nun schon genommen hat oder nicht.
Der richtige Einnahmezeitpunkt ist oft von großer Bedeutung. Er kann Medikamente wirksamer machen oder auch dazu beitragen, daß Nebenwirkungen seltener auftreten. Chronopharmakologie heißt die Wissenschaft, die sich mit einer möglichst verträglichen Anwendung von Arzneimitteln in Abhängigkeit von einem Zeitrhythmus beschäftigt.
Ein gewissenhafter Arzt wird also seinem Patienten einen Therapieplan geben, auf dem die Medikamentenkombination und -dosis für jeden Tag, evtl. mit Uhrzeit genau aufgeführt ist. Nach diesem Plan sollte man genau vorgehen und seine Tablettenration für einen Tag oder eine Woche in einer unterteilten Tablettenbox (gibts in der Apotheke) vorbereiten. Dann muß man nicht jedesmal nachdenken, welche Pillen es denn jetzt waren. Diese Tablettenboxen gibt es auch mit eingebautem Wecker.
Tabletten und vor allem Kapseln sollte man immer mit reichlich Flüssigkeit, am besten lauwarmem Wasser, einnehmen. Ob vor, zu oder nach den Mahlzeiten sollte der Arzt angeben. Gerade Zytostatika sind oft besser verträglich, wenn sie zu oder nach einer Mahlzeit genommen werden. Aber Vorsicht: Manche Lebensmittel, z.B. Milch und Milchprodukte, können die Wirksamkeit von bestimmten Medikamenten beeinflussen. Also lieber fragen!
Sehr große Kapseln, wie z.B. Vepesid® , können steckenbleiben. Dies kommt zwar sehr selten vor, ist aber unangenehm, man hat dann ein Gefühl als ob ein Kloß im Hals hängt. Wer hiermit Schwierigkeiten hat, kann die Kapseln leicht mit Butter einschmieren, dann rutschen sie besser. Und immer solange trinken, bis man sicher ist, daß die Kapsel unten ist. Wenn wirklich einmal eine Kapsel steckenbleibt, sollte man dies unbedingt seinem Arzt sagen. Für viele Medikamente gibt es auch andere Möglichkeiten.
Unbedingt informieren sollte man seinen Arzt auch, wenn man kurz nach der Einnahme seiner Tabletten erbrechen muß oder wenn man während der Behandlung Durchfall bekommt. Es kann dann passieren, daß die Medikamente nicht vollständig vom Körper aufgenommen werden.
Nicht alle Medikamente können oral gegeben werden. Manche sind für den Verdauungstrakt nicht verträglich, werden durch den Magensaft oder die Fermente im Darm zerstört oder müssen in so großen Mengen gegeben werden, daß man sie ohne ernstere Probleme gar nicht schlucken könnte. Diese müssen parenteral gegeben werden.
Spritzen und Infusionen
Parenteral bedeutet: unter Umgehung des Verdauungstraktes, also als Spritze oder Infusion
| subcutan | (s.c.) | unter die Haut | die Medikamente gelangen nach und nach in das Blut |
| intramuskulär | (i.m.) | in den Muskel |
| intraarteriell | (i.a.) | in eine Arterie | die Medikamente werden direkt ins Blut gegeben |
| intravenös | (i.v.) | in eine Vene |
Die subcutane, intramuskuläre und intraarterielle Applikation spielen bei der Chemotherapie eine untergeordnete Rolle und werden nur bei sehr speziellen Therapieformen angewandt. Wenn eine Chemotherapie parenteral gegeben wird, heißt dies fast immer intravenös.
Die intravenöse Verabreichung eines Medikaments kann in Form einer Injektion (Spritze) relativ schnell oder als Infusion (Tropf) über einen mehr oder weniger langen Zeitraum erfolgen. Welche Methode im Einzelfall angewandt wird, hängt von der Dosierung, der Verträglichkeit und der Wirkungsweise des Medikaments ab. Wenn sich die Substanz in einem kleinen Volumen auflösen läßt und gut verträglich ist, kann sie als Spritze gegeben werden.
Muß das Medikament in einem großen Volumen aufgelöst werden, damit keine Reizungen der Venenwand entstehen oder weil es sonst schlecht verträglich wäre, wird es als Infusion gegeben. Ebenso, wenn die Verabreichung über einen längeren Zeitraum, d.h. mehrere Stunden oder Tage, erfolgen soll. Infusionen können über einen peripheren oder zentralen venösen Zugang verabreicht werden. Ein peripherer Zugang liegt an den Extremitäten, meistens Arm oder Hand. Zur Not können auch die äußeren Halsvenen verwendet werden. Bei einem zentralen Zugang wird ein Katheter durch ein großes Gefäß in die unmittelbare Nähe des Herzens gelegt.
Für eine Spritze oder kurze Infusionen ist ein Zugang über die Armvenen am einfachsten. Die Venen, die ja das Blut zum Herzen zurückführen, werden gestaut, indem der Arm oberhalb der Einstichstelle leicht abgebunden wird. Durch Öffnen und Schließen der Hand kann man diesen Prozeß unterstützen. Die Staubinde sollte nie so fest angezogen werden, daß der Arm schmerzt. Nach wenigen Sekunden werden die Venen dicker und sollten deutlich hervortreten. Nach dem Punktieren der Vene ist die Staubinde sofort zu lösen, damit es nicht in das Gewebe blutet.
Die einfachste und billigste Methode, ein Arzneimittel zu spritzen, ist, eine scharfgeschliffene Hohlnadel (Kanüle) direkt auf die Spritze aufzusetzen, damit eine Armvene zu punktieren und das Medikament hinein zu spritzen. Dieses Verfahren ist wirklich nur für Patienten zu empfehlen, die gute, d.h. dicke und leicht aufzufindende Venen haben. Nach dem Punktieren der Vene müssen sich Arzt oder Schwester durch kurzes Ansaugen (Aspirieren) mit der Spritze vergewissern, daß sie das Gefäß auch tatsächlich getroffen haben: Wenn Blut kommt, ist alles in Ordnung. Dadurch, daß die Kanüle direkt mit der Spritze verbunden ist, besteht die Gefahr, daß bei unwillkürlichen Bewegungen der Spritze die Venenwand durch die Kanüle verletzt wird und das Medikament statt ins Blut in das umliegende Gewebe gelangt. Es gibt Substanzen, die das Gewebe zerstören können, wenn sie nicht direkt ins Blut gegeben werden. Diese sollten auf keinen Fall auf diese Weise gespritzt werden. Wer schlechte, d.h. dünne und schwierig zu findende Venen hat, sollte sich gegen diese Methode verwahren.
Ein schonenderes und risikoärmeres Verfahren ist die Verwendung eines sog. "Butterfly". Dies ist eine kurze, dünne, geschliffene Hohlnadel an der ein kurzer Schlauch befestigt ist. Zum Anfassen und Befestigen hat sie zwei Plastiklappen, die ihr ein schmetterlingsähnliches Aussehen verleihen. Wenn die Venenpunktion erfolgreich war, fließt Blut in den Schlauch zurück. Zur Befestigung wird ein Pflasterstreifen über die Plastiklappen und die Haut geklebt. Spritze oder Infusion werden mit dem Schlauch verbunden, so daß unwillkürliche Bewegungen des Personals keinen Schaden anrichten können. Trotzdem darf der Patient den Arm nicht bewegen, da die Kanüle starr und an der Spitze scharf ist. Der Butterfly ist für Injektionen und Kurzinfusionen geeignet.
Eine noch größere Sicherheit und eine gewisse Bewegungsfreiheit für den Patienten bietet ein Venenverweilkatheter, auch Abo-Cath genannt. Dies ist ein sehr dünner, kurzer, flexibler Schlauch aus gewebefreundlichem Material, meist Teflon, der an der Spitze stumpf ist. Er wird in eine Armvene eingeführt und kann dort mehrere Stunden oder Tage liegen bleiben, der Arm kann bewegt werden. Um den Venenkatheter in die Vene zu bekommen, befindet sich in dessen Hohlraum eine scharfgeschliffene Nadel, der sog. Mandrin, der nach der Punktion entfernt wird. Venenkatheter gibt es in verschiedenen Größen von klein (blau) über mittel (rosa) bis groß (grün) und sehr groß (grau). Die Punktion beim Legen eines Venenkatheters ist, in Abhängigkeit von der Größe, mehr oder weniger schmerzhaft. Danach darf es nicht mehr wehtun, sonst ist etwas nicht in Ordnung. Obwohl die Katheter aus gewebefreundlichem Material bestehen, können sie zu einer entzündlichen Reizung der Venenwand mit nachfolgender Thrombose führen. Dies führt dazu, daß die Vene für weitere Infusionen unbrauchbar wird. Der Venenverweilkatheter ist geeignet bei guten Venen und wenn die Anzahl und Dauer der Infusionen überschaubar ist.
Bei langandauernden Behandlungen mit vielen Infusionen ist der periphere Zugang über Butterfly oder Venenkatheter oft nach einiger Zeit nicht mehr möglich, da die Venen dabei zu sehr leiden. Hier empfiehlt sich ein zentraler Zugang, entweder als zentraler Venenkatheter (ZVK) oder als Port.
ZVK
Ein zentraler Venenkatheter
(ZVK) ist erforderlich, wenn Medikamente gegeben werden, die sehr
aggressiv sind und schnell in einer großen Menge Blut
"verdünnt" werden müssen. Sie würden die dünnen
Wände der peripheren Venen zu sehr angreifen. Der Katheter ist
ein langer, dünner Schlauch aus gewebeverträglichem Material,
der durch eine große, von außen zugängliche Vene bis in die
obere Hohlvene (V. cava superior) vor das rechte Herz geschoben
wird.
Das Einführen erfolgt normalerweise unter örtlicher Betäubung durch die innere Halsvene (V. jugularis interna) oder die Schlüsselbeinvene (V. subclavia). Auch durch eine der großen Armvenen (z.B. V. basilica) kann ein ZVK gelegt werden. Danach wird durch eine Röntgenaufnahme kontrolliert, ob der Katheter richtig liegt.
Der Katheter kann einen, zwei oder drei Kanäle (Lumina) haben.
Das Kathetermaterial muß gewebeverträglich sein. Weiche Katheter lassen sich schwieriger einführen, verursachen jedoch weniger Thrombosen. Als Materialien kommen in Frage:
ZVK gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen, die meist nach ihren Erfindern oder Herstellern benannt sind:
Der Standard-ZVK ist aus Silikon oder
Polyurethan. Er wird nach Venenpunktion direkt in die
innere Halsvene (V. jugularis interna) oder die
Schlüsselbeinvene (V. subclavia) eingeführt. Er guckt
an der Punktionsstelle aus der Haut heraus. Dadurch
besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, so daß er
meistens nach wenigen Wochen entfernt werden muß. Für
den Langzeitgebrauch ist er nicht geeignet. Der
Hohn-Katheter ist so ein Kurzzeitkatheter.
Langzeit-ZVK sind aus Silikon. Sie
kommen nicht an der Punktionsstelle aus der Haut, sondern
werden eine gewisse Strecke unter der Haut
entlanggeführt (getunnelt), bevor sie ins Freie
gelangen.
Peripher eingeführte ZVK werden
durch eine der großen Armvenen bis in die obere Hohlvene
geschoben.Zentrale Venenkatheter benötigen eine sorgfältige Pflege. Alle Arbeiten am ZVK sind unter aseptischen Bedingungen durchzuführen.
Damit der Katheter durchgängig bleibt, muß er nach jedem Gebrauch und bei Nichtgebrauch regelmäßig mit steriler Kochsalzlösung, ggf. mit Heparinzusatz, gespült werden. Wie dabei genau zu verfahren ist, hängt vom jeweiligen Kathetertyp ab. Standard-ZVK müssen täglich gespült werden. Bei Groshong- und Hickman-Kathetern reicht evtl. auch eine Spülung in wöchentlichem Intervall. Auf dem Katheterschlauch sitzt eine Klammer. Sie sollte nicht verloren gehen und man sollte darauf achten, daß sie nach Spülen zugeclippt wird, auch wenn der Katheter am Ende durch einen Stopfen verschlossen wird. Dies bietet zusätzliche Sicherheit, falls sich der Stopfen einmal lösen sollte.
Die Stelle, an welcher der Katheter aus der Haut austritt, muß regelmäßig desinfiziert und verbunden werden, damit keine Keime entlang des Katheters in die Blutbahn gelangen können. Wie oft dies geschehen muß, hängt vom Typ des Katheters ab, beim Standard-ZVK etwa alle 2-4 Tage.
Wie bei fast allen medizinischen Eingriffen, können auch mit dem ZVK Komplikationen auftreten:
Port
Ein intravenöser Port ist eine dauerhafte Möglichkeit für einen zentralen Venenzugang. (Bei korrekter Handhabung evtl. mehrere Jahre) Er besteht aus einer kleinen "Dose" aus Titan, der sog Kammer, die oben mit einer dicken Silikonmembran verschlossen ist. Aus der Dose kommt ein Venenkatheter aus Polyurethan oder PTFE heraus. Die Kammer wird unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut implantiert. Der Katheter wird wie ein normaler ZVK in die Jugularis oder Subclavia eingefädelt.
Alle Teile liegen unter der Haut, die Portkammer ist leicht zu ertasten. Mit einer speziellen Portnadel wird durch die Haut und die Silikonmembran gestochen und schon hat man einen zentralen Zugang. Die Silikonmembran hält das ziemlich oft aus, ohne undicht zu werden. Wenn der Zugang nicht mehr benötigt wird, wird mit heparinisierter Kochsalzlösung nachgespült und die Nadel gezogen. Ein ständiger Verband über der Kammer ist nicht erforderlich.
Das Legen des Ports erfolgt in Vollnarkose. Der Eingriff dauert in der Regel ½ bis 1 Stunde. Danach ist die Gegend um die Portkammer und der Schnitt, der meistens daneben oder darüber liegt, schmerzhaft. Die ersten beiden Tage benötigt man evtl. ein Schmerzmittel. Nach 7-10 Tagen ist der Schmerz in der Regel abgeklungen und dann werden auch die Fäden gezogen. Der Port kann notfalls sofort angestochen werden, in der Regel wird man aber ein paar Tage warten.
Der Eingriff ist ambulant möglich, aber nach der Narkose kann man für 24 Stunden kein Auto fahren und es kann auch ziemlich weh tun. Wer allein zu Hause ist, dem sei empfohlen, lieber eine Nacht im Krankenhaus zu bleiben. Am nächsten Tag ist man dann wieder an Bord.
Für den, der sehr schlechte Venen hat und häufig Infusionen braucht, ist der Port ein wahrer Segen. Wenn die Narbe verheilt ist, kann man damit alles machen, was man sonst auch tut, auch Schwimmen und Sauna. Durch die Haut ist er vor Umwelteinflüssen geschützt. Er ist als kleine "Beule" unter der Haut sichtbar, dies stellt für manche Leute, besonders Frauen, ein kosmetisches Problem dar. Dann gibt es noch ein paar Risiken; die wichtigsten sind:
Eine Frage, die immer wieder auftaucht und an der sich die Geister scheiden, ist: Soll aus dem Port Blut abgenommen werden? Die Hersteller geben durchweg an, daß dies möglich ist. Wenn der Port rückläufig ist, stellt das auch kein technisches Problem dar. Auf einigen Stationen der Kölner Uniklinik ist jedoch das Blutabnehmen aus dem Port tabu ! Vermutlich wegen der Gefahr des Verstopfens und der Blutreste im Katheter.
Wenn der Port nicht benutzt wird, sollte er in regelmäßigen Abständen (4-8 Wochen) mit heparinisierter Kochsalzlösung gespült werden. Sauberkeit ist bei allen Arbeiten am Port oberstes Gebot !

Bei einigen Leukämien und Non-Hodgkin-Lymphomen kann es zu einem Befall der Hirnhäute kommen. Es können jedoch nicht alle Medikamente die Blut-Hirn-Schranke passieren, also nicht aus dem Blut in das Gewebe des Zentralnervensystems gelangen. Bei diesen Erkrankungen werden die Medikamente intrathekal gegeben, d.h. sie werden direkt in die Gehirn-/Rückenmarkflüssigkeit (Liquor) injiziert. Der Liquorraum befindet sich im Gehirn und zieht sich am Rückenmark herunter bis in die Lendenwirbelsäule.
Um ein Medikament dort hinein zu bekommen, muß eine Lumbalpunktion vorgenommen werden, dabei wird unter örtlicher Betäubung mit einer dünnen Nadel der Wirbelkanal punktiert, und zwar im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule, zwischen dem 3. und 4. oder dem 4. und 5. Lendenwirbel.
Hinweis: Das eigentliche Rückenmark ist bereits in Höhe des 1. bis 2. Lendenwirbels zu Ende, darunter durchziehen nur noch Nervenfasern den Spinalkanal, die der eindringenden Nadel ggf. ausweichen. D.h. die Gefahr einer Querschnittslähmung durch Lumbalpunktion ist verschwindend gering.
Eine häufigere Begleiterscheinung dieses Eingriffs können Kopfschmerzen sein, bedingt durch den Verlust an Liquor. Damit dieser Effekt ausbleibt, empfiehlt es sich, nach der Punktion mindestens 2 Stunden lang mit tiefergelegtem Kopf stillzuliegen. Also vorher zur Toilette gehen und Walkman bereithalten.
Die Brustkorbwand und die Lungen werden von Rippenfell und Lungenfell bedeckt, die in der Medizin als Pleurablätter bzw zusammenfassend als Pleura bezeichnet werden. Dazwischen befindet sich der Pleuraraum, der normalerweise minimal klein ist, da die beiden Pleurablätter durch einen Flüssigkeitsfilm aneinanderhaften und so dafür sorgen, daß die Lunge nicht zusammenfällt. Wenn die Pleura von Tumorzellen befallen ist, kann es zu einem sog. Pleuraerguß kommen. Das ist eine Flüssigkeitsansammlung zwischen den Pleurablättern, die die Atmung behindert. In so einer Situation kann der Erguß mit Hilfe einer Pleurapunktion abgesaugt werden und anschließend Arzneimittel intrapleural, also in den Pleuraraum gegeben werden. Bei der Pleurapunktion wird in örtlicher Betäubung eine spezielle Punktionsnadel vom Rücken aus zwischen zwei Rippen in den Pleuraspalt eingeführt.
Eine ähnliche Situation kann auftreten, wenn das Bauchfell (Peritoneum) betroffen ist. Im Bauch sammelt sich dann Flüssigkeit an; dies bezeichnen die Ärzte als Aszites (Bauchwassersucht). Auch hier punktiert man unter örtlicher Betäubung und gibt Medikamente intraperitoneal, also in den Bauchraum.
Spezialkatheter und -ports
Bei isolierten Lebermetastasen bösartiger Tumoren kommt unter bestimmten Umständen eine lokale Chemotherapie über die Leberarterie (A. hepatica) in Betracht. Hierfür muß ein sog. intrahepatischer Port implantiert werden. Er liegt in der Bauchdecke, sein Katheter führt unmittelbar in die Leberarterie.
Zur wiederholten zytostatischen Behandlung eines Aszites kommt die Implantation eines sog. Intraperitoneal-Ports in Frage. Die Kammer liegt in der Bauchdecke, der Katheter liegt im Bauchraum.
Eine große Rolle bei der Schmerzbehandlung spielt der Epidural-Katheter oder -Port. Das Ende des Katheters liegt im Rückenmarkskanal in der Nähe der Nervenwurzeln, so daß Schmerzmedikamente hier gezielt an die Nerven gebracht werden können, die den Schmerz übertragen.
Zytostatika sind hochwirksame Medikamente, die individuell und genau dosiert werden müssen. Es soll ein Maximum an Wirksamkeit und ein Minimum an Nebenwirkungen angestrebt werden, zwei Ziele, die oft im Widerspruch stehen. Sowohl Über- wie auch Unterdosierung sollen vermieden werden. Daher muß die Medikamentendosis für jeden Patienten individuell berechnet werden. Bewährt hat sich dabei eine Anpassung der Wirkstoffmenge an die Körperoberfläche. Diese wird mit Hilfe von Diagrammen oder Tabellen aus Größe und Gewicht des Patienten ermittelt.
Beispiel: Eine Person ist 1,75 m groß und 75 kg schwer, daraus ergibt sich eine Körperoberfläche von 1,86 m². Wenn in einem Therapieschema 650 mg eines Wirkstoffes pro m² angegeben sind, bekommt dieser Patient 650 mg / m² x 1,86 m² » 1200 mg des Medikamentes.
Die Dauer einer Behandlung richtet sich nach Art und Schwere des Krankheitsbildes. Die Therapie kann als Dauerbehandlung mit täglicher Gabe in relativ niedriger Dosierung oder als Stoßbehandlung mit hochdosierten Einzelgaben in gewissen Abständen erfolgen. Eine strenge Regel für die jeweilige Anwendung gibt es nicht. Die meisten Alkylantien eignen sich gut zur Dauerbehandlung, Antimetaboliten und Antibiotika werden eher im Rahmen einer Stoßbehandlung gegeben.
Polychemotherapie-Schemata mit mehreren Substanzen, die oft auf Heilung ausgerichtet sind (kurativ), werden oft in sog. Zyklen oder Kursen durchgeführt. Dabei werden mehrere Medikamente an einem oder mehreren Tagen parenteral in relativ hoher Dosis gegeben, darauf folgt eine Pause, in welcher der Körper sich davon erholen kann. Die Idee, die dahinter steht, ist, daß sich die gesunden Zellen erholen und die Tumorzellen zerstört werden.
Eine kontinuierliche Gabe von Medikamenten in niedriger Dosierung findet man eher bei lindernden (palliativen) Therapien, die oft als orale Monotherapie durchgeführt werden. Hierbei sind die Nebenwirkungen meist weniger ausgeprägt. Man hat die Idee, daß die Tumorzellen durch die Medikamente stärker geschädigt werden als die gesunden Zellen. Eine vollständige Zerstörung der kranken Zellen gelingt auf diese Weise meistens nicht.
Dies sind jedoch nur grobe Orientierungshilfen. Im Prinzip stehen bei den meisten Medikamenten beide Wege offen. Es gibt auch Kombinationen aus beiden Verfahren.
Während einer Chemotherapie kann es passieren, daß die weißen Blutkörperchen sehr stark an Zahl abnehmen (unter 1000 / µl Blut), was ein erhöhtes Infektionsrisiko zur Folge hat. Wenn dieser Zustand zu lange andauert, verordnet der Arzt sog Wachstumsfaktoren, die die Reifung der weißen Blutkörperchen im Knochenmark beschleunigen sollen. Dieses Medikament ist eine körpereigene Substanz, die G-CSF (Granulozyten-Kolonien stimulierender Faktor) heißt. Der Handelsname ist Neupogen®. Es wird an ein paar Tagen hintereinander subkutan, also unter die Haut gespritzt. Diese Technik ist leicht erlernbar, so daß man dies man selbst machen kann. Das hat den Vorteil, daß man deswegen nicht jeden Tag zum Arzt muß. Wer lernen möchte, sich selbst subkutan zu spritzen, soll es sich auf jeden Fall mindestens einmal bei seinem Arzt zeigen lassen. Als Gedächtnisstütze soll hier noch eine kurze Anleitung gegeben werden.
Die folgende Anleitung wurde unter Verwendung einer Patienteninformation des Arzneimittelherstellers AMGEN Roche, der das Medikament Neupogen® vertreibt, erstellt. Dieselbe Technik läßt sich selbstverständlich auch für andere Medikamente, die subcutan gespritzt werden, wie z.B. Heparin oder Morphin, anwenden.
Diese Medikamente sind als Fertigspritzen erhältlich oder in Injektionsfläschchen, aus denen die Substanz erst in eine Spritze aufgezogen werden muß. Je nachdem welche Form Sie zur Verfügung haben, unterscheidet sich die Vorbereitung der Injektion ein wenig.
Entsorgung der Spritzen
Werfen Sie nie Spritzen mit ungeschützter Nadel weg. Es besteht Verletzungs- und Infektionsgefahr für andere Personen! Setzen Sie die Schutzhülle wieder auf die Nadel oder besorgen Sie sich in der Apotheke einen stichsicheren Entsorgungsbehälter.
Vorbereitung der Injektion
Wenn das Medikament im Kühlschrank gelagert werden muß, nehmen Sie eine Fertigspritze oder ein Medikamentenfläschchen heraus und lassen Sie sich diese auf Raumtemperatur erwärmen. Kontrollieren Sie das auf der Spritze bzw. dem Fläschchen aufgedruckte Verfallsdatum. Sollte das Verfallsdatum abgelaufen oder das Medikament getrübt oder verfärbt sein, verwenden Sie es nicht und halten Rücksprache mit Ihrem Arzt.
Bevor Sie mit der Vorbereitung und der Injektion beginnen, waschen Sie bitte Ihre Hände mit einer (Flüssig)-Seife.
Legen Sie sich alle notwendigen Utensilien bereit:
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Wahl und Vorbereitung der Injektionsstelle
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Als Einstichstellen
für die Injektion können Sie die Bauchhaut (ohne Nabel)
sowie die Oberschenkel wählen. Es empfiehlt sich, für
jede neue Injektion eine andere Einstichstelle zu
verwenden. Durch die Injektion können kleine, harmlose
Blutergüsse entstehen. Wer also im Sommer in Shorts
herumlaufen möchte, spritzt sich in die Bauchhaut
unterhalb des Nabels, dort sieht mans wenigstens
nicht. Betupfen Sie die
gewählte Einstichstelle mit einem Alkoholtupfer (in der
Apotheke erhältlich) oder mit einem mit
Desinfektionsmittel getränkten Wattebausch. Warten Sie,
bis die gereinigte Haut wieder trocken ist. |
Vorbereitung der Fertigspritze
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1.
Entfernen Sie zunächst die orangefarbene Kappe von der
Schutzhülle der Injektionsnadel. Ergreifen Sie diese wie
in der Abbildung gezeigt und halten Sie dabei die
Schweißnut zwischen Kappe und Schutzhülle nach oben.
Ziehen Sie die Schutzhülle mit einem kurzen Ruck nach
unten (>klick<). Dieser
Schritt ist nicht bei allen Fertigspritzen erforderlich |
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2.
Ergreifen Sie nun die Spritze und ziehen Sie den grauen
Schutzgummi ab. |
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3. Nehmen
Sie die Spritze und die Spritzennadel, wie in der
Abbildung gezeigt, in die Hand. Lassen sie die über der
Injektionsnadel befindliche durchsichtige Schutzhülle
aufgesetzt. Ergreifen Sie die Schutzhülle an ihrem
oberen Ende und schieben Sie diese fest in
Pfeilrichtung, bis die Injektionsnadel fest aufsitzt. Achtung:
Drücken Sie dabei nicht auf den
Spritzenkolben! |
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4. Halten
Sie die orangefarbene Halterung der Injektionsnadel
zwischen Daumen und Zeigefinger fest, während Sie die
über der Injektionsnadel befindliche Schutzhülle gerade
nach vorne abziehen. Achten Sie darauf, daß dabei die
Nadel nicht beschädigt wird. |
| 5. Um in
der Spritze befindliche Luft zu entfernen, halten Sie die
Spritze mit der Nadel nach oben. Ziehen Sie nun den
Spritzenkolben zuerst leicht zurück. Schieben Sie ihn
dann vorsichtig nach vorne, bis der erste Tropfen
Flüssigkeit austritt. Schütteln Sie den eventuell an
der Nadelspitze verbleibenden Tropfen ab. |
Vorbereitung von Injektionsfläschchen und Einmalspritze
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1.
Entfernen Sie den Deckel des Injektionsfläschchens. |
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2.
Reinigen Sie den Gummistopfen mit einem Alkoholtupfer
oder mit Desinfektionsmittel. Nehmen Sie die Spritze aus
ihrer geschlossenen Verpackung. Sollte die sterile
Schutzhülle bereits offen sein, werfen Sie diese Spritze
weg. Entnehmen Sie eine lange, dicke Nadel aus der
Verpackung und setzen Sie sie auf die Spritze, ohne die
Schutzhülle zu entfernen. Achten Sie auch hier darauf,
daß die Verpackung vor der Entnahme geschlossen ist und
berühren sie die Nadel beim Öffnen der Verpackung nicht
mit den Fingern. |
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3. Ziehen
Sie bei aufgesetzter Schutzhülle so viel Luft in die
Spitze, wie es dem Volumen der verordneten
Injektionsdosis entspricht. Entfernen Sie die
Schutzhülle, stoßen Sie die Nadel gerade durch den
Gummistopfen, und pressen Sie die aufgezogene Luft in das
Injektionsfläschchen. |
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4.
Stellen Sie das Fläschchen auf den Kopf, während die
Nadel im Fläschchen verbleibt. Versichern Sie sich, daß
sich die Nadelspitze in der Flüssigkeit befindet. Ziehen
Sie den Spritzenkolben langsam zurück, und lassen sie
soviel Injektionslösung in die Spritze fließen, wie Ihr
Arzt angegeben hat. Achten
Sie dabei auf Luftblasen in der Spritze. Um Luftblasen zu
entfernen, klopfen Sie vorsichtig gegen die Spritze, so
daß die Blasen zur Mündung der Spritze aufsteigen, und
drücken Sie dann leicht gegen den Kolben. Falls nötig,
wiederholen Sie diesen Vorgang. |
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5. Lösen
Sie die Spritze von der Nadel (die im Gummistopfen
steckt) und setzen Sie eine neue, sterile Nadel auf, mit
der Sie die Injektion durchführen wollen. Diese ist
kürzer und dünner. Entfernen Sie die Schutzkappe von
der Nadel. |
Injektion des Arzneimittels
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1. Nehmen
Sie im Einstichbereich die Haut so zwischen zwei Finger,
daß sich eine Hautfalte bildet. Halten Sie die Spritze
wie einen Füllhalter und stechen Sie die Nadel in Ihrer
ganzen Länge leicht schräg ein. |
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2. Lassen
Sie nach dem Einstechen der Nadel die Haut los. Ziehen
Sie den Kolben der Spritze leicht zurück, um
sicherzustellen, daß Sie kein Blutgefäß getroffen
haben. In diesem Fall würde etwas Blut in die
Injektionslösung einströmen. Injizieren Sie in diesem
Fall nicht, sondern ziehen Sie die Spritze um ein oder
zwei Millimeter zurück und wiederholen Sie diese
Prüfung. Evtl. wählen Sie eine andere Stelle zur
Injektion. Setzen Sie dann eine neue Nadel auf. Das Blut
in der Injektionslösung schadet nichts, es ist ja Ihr
eigenes. |
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3.
Spritzen Sie das Arzneimittel langsam mit gleichmäßigem
Druck auf den Spritzenkolben unter die Haut. |
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4. Zum
Entfernen der Spritze ziehen Sie die Nadel im gleichen
Winkel wie beim Einstechen heraus. Drücken Sie danach
leicht mit der anderen Hand und dem Alkohol- bzw.
Wattetupfer auf die Einstichstelle. Vor allem bei Heparin kann es nach der
Injektion etwas bluten, Deshalb brauchen Sie sich keine
Sorgen zu machen, drücken Sie einfach solange auf die
Stelle, bis die Blutung aufhört, damit es keinen blauen
Fleck gibt. Wenn Sie ihre Wäsche nicht verschmutzen
möchten, können Sie anschließend auch ein Pflaster
aufkleben. |
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