Marita Kretzschmar
Der Alltag kann nun wieder beginnen!
Alltag?
Kann nach einer Krebserkrankung alles wieder so sein wie vor her?
Operation, Chemo- und Strahlentherapie. Aus medizinischer Sicht ist alles getan worden. Die Chancen, gesund zu werden, stehen gar nicht so schlecht.
Jedoch ist da diese Angst - eigentlich sind es viele Ängste -
Und es ist noch etwas da - diese Leere. Bis jetzt war die Zeit ausgefüllt mit Arztterminen, Behandlungen, stundenlanges Warten, Gesprächen usw. Jetzt folgt eine schwierige Aufgabe, die oft viel Zeit und Geduld in Anspruch nimmt, diese Leere mit neuem Leben zu füllen.
Auch Partner/in, Freunde und Angehörige werden so langsam ungeduldig. Die Krankheit ist doch vorbei. Jetzt kann er/sie sich doch wieder freuen. Warum hat er/sie denn jetzt immer noch diese negativen Gedanken? Denk doch mal positiv! Reiß Dich zusammen!
Die Zeit der Rücksichtnahme ist vorbei.
Für die meisten geht die Phase der großen Angst, der Trauer und Verzweiflung nach einer Weile vorbei. Das dauert bei jedem unterschiedlich lange; bei dem einen Wochen, bei anderen Monate oder sogar Jahre. In dieser Zeit wechseln sich Niedergeschlagenheit und Euphorie oft ab, nicht selten wird die Angst zum Zentrum des Lebens.
Es gibt viel unterschiedliche Wege aus der Krise, die eine Krebskrankheit auslösen kann. Ein Patentrezept hierfür gibt es nicht, höchstens einige Orientierunghilfen.
Einiges davon kann man eigenständig umsetzen, für anderes braucht man die Unterstützung seiner Mitmenschen.
Eine gute Möglichkeit, sich selbst zu helfen, ist das Tagebuchschreiben. Seine Gefühle und Gedanken schriftlich festzuhalten, könnte sich als gutes Mittel herausstellen, um den seelischen Druck zu lindern. Ordnung in das Gedankenchaos zu bringen und die allmähliche Veränderung der Empfindungen immer wieder nachempfinden zu können.
Weitere Möglichkeiten, sich selbst zu helfen, sind Entspannungsübungen, Sport, seinem Hobby nachzugehen; für viele ist auch der Einstieg in das Berufsleben wichtig, um wieder Selbstvertrauen zu erlangen.
Manche gewinnen in der Lebenskrise Krebs ein ganz neues Verhältnis zu sich selbst, geben der Krankheit einen Sinn - die Chance zur Weiterentwicklung, zur inneren Reifung. Auf einmal gewinnen die kleinen, bisher als banal empfundenen Dinge im Leben eine ganz besondere Bedeutung: Der strahlend blaue Himmel, eine schöne Blume o.ä.
Die Fähigkeit, im Hier und Jetzt zu genießen, wächst. Eine innere Zufriedenheit stellt sich ein. Vielleicht gibt die Krankheit den entscheidenden Impuls dazu, das Leben so umzugestalten, wie man das eigentlich schon immer vorhatte. Die neuen Lebensziele sind individuell ganz unterschiedlich.
Manchen gelingt es nicht, sich selbst aus der Krise zu ziehen. Man ist nicht fähig, seine tiefe Verzweiflung auszudrücken. Das Leben erscheint sinnlos und leer. Jetzt heißt es mutig sein und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. In der Psychotherapie geht es oft darum, blockierte Gefühle zu befreien, massive Ängste zu überwinden. Der Lohn dieser Mühe ist oft ein intensives Gefühl von Lebendigkeit.
Fast alle an Krebs Erkrankten fragen sich, nachdem Operation, Chemo- und Strahlentherapie beendet sind, was sie selbst zu ihrer Heilung beitragen können. Hier stehen neben den klassischen Therapieformen der Schulmedizin ein unübersehbar großes Angebot alternativer, z.T. biologischer Heilverfahren zur Verfügung. Es reicht von Vitaminpillen, Enzymen, Mistelpräparaten und Thymusextrakten über Entspannungs- und Visualisierungsübungen bis hin zu Krebsdiäten und Geistheilmethoden.
Ein Maßstab zur Beurteilung ist die Einstellung des alternativen Therapeuten zur Schulmedizin. Ein Anbieter unkonventioneller Verfahren, der den Verzicht auf eine schulmedizinische Behandlung fordert, ist unseriös.
Eine Richtschnur bei der Auswahl und Beurteilung der einzelnen Angebote könnte auch sein, sich bewußt zu machen, welche eigenen Bedürfnisse hinter dem Wunsch stehen, dieses oder jenes Verfahren auszuprobieren.
Den allermeisten Erkrankten geht es darum, zusätzlich etwas für ihre Heilung zu tun und ihr Immunsystem zu stärken. Monatelang waren sie Behandelte, jetzt wollen sie endlich selbst handeln.
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