Monoklonaler Antikörper Rituximab - Neuer Ansatz zur Therapie niedrigmaligner Non-Hodgkin-Lymphome

Rituximab ist ein sogenannter chimärer humanisierter Mausantikörper.

Die Chimäre ist ein feuerspeiendes Ungeheuer aus der griechischen Mythologie mit dem Kopf eines Löwen, dem Körper einer Ziege und dem Schwanz eines Drachen.

Der chimäre Antikörper ist aus einem Antikörper der Maus und einem menschlichem Antikörpermolekül zusammengesetzt.

Rituximab bindet an das auf nahezu allen B-Zellen vorhandene CD20 Antigen. Bei einer ganzen Anzahl verschiedener Krebserkrankungen des Blutsystems sind gerade diese B-Zellen von der Entartung betroffen. Durch spezifische Bindung des anti-CD20-Antikörpers werden diese gezielt erreicht und zerstört.

Von August 1993 bis Ende 1997 sind etwa 300 Patienten mit einem niedrigmalignen Non-Hodgkin-Lymphom in verschiedenen klinischen Studien, überwiegend in den USA, mit diesem Antikörper behandelt worden. Die meisten dieser Patienten waren bereits sehr intensiv mit verschiedenen Chemotherapien behandelt worden, hatten aber nach einer gewissen Zeit wieder einen Rückfall erlitten. 50 % dieser Patienten sprachen auf die nur 22 tägige Therapie bei einer Infusion pro Woche mit dem Antikörper an, ein Fünftel davon verzeichnete ein komplettes Verschwinden aller Tumorsymptome. Bei insgesamt 40 Patienten wurde dieser Antikörper zusätzlich zu einer Chemotherapie gegeben. In diesem Falle sprachen sogar alle behandelten Patienten mit einer kompletten oder partiellen Remission, d.h. mehr als einer 50%igen Verminderung oder einem vollständigen Verschwinden des Tumors, auf die Therapie an. Die Nebenwirkungen waren gering.

Naturgemäß weckt dieses vielversprechende Medikament viele Hoffnungen. Es muß aber ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß zur Zeit nur für das sog. follikuläre Lymphom (siehe Klassifikation der NHL) ein Nutzen wissenschaftlich nachgewiesen ist. Auch beim follikulären Lymphom wird eine Behandlung aber zunächst einmal nur für solche Patienten in Frage kommen, die gar nicht auf eine andere Therapie angesprochen haben oder bei denen ein Rückfall aufgetreten ist.

Rituximab wurde von IDEC Pharmaceuticals Corporation (USA) erfunden und in Zusammenarbeit mit Genentech, Inc. (USA), Hoffmann La Roche (Schweiz) und Zenyaku Kogyo Co Ltd. (Japan) entwickelt. In den USA ist das Medikament bereits zugelassen und wird dort von IDEC und Genentech unter dem Namen RituxanTM vertrieben. Sie sind gemeinsam für die Herstellung verantwortlich.

Hoffmann La Roche wird das Produkt unter dem Namen MabThera® im Rest der Welt vermarkten, außer Japan. In Deutschland ist mit der Zulassung etwa Mitte 1998 zu rechnen.

Ausführliche Informationen über Rituximab in englischer Sprache stellt Genentech, Inc. zur Verfügung: